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Christian Lapie
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Der Flurname "Sulzburger Feld" lässt sich bildhaft zurückverfolgen bis in die Zeit 1790. Mit Sicherheit ist dieser Name älter als die erste Darstellung in einer Landkarte.
Das Sulzburger Feld umfasst die ausgedehnten Matten und Wiesen zwischem dem Ortsausgang nach Laufen und dem Weg nach Dottingen. Die Matten, die das Sulzburger Feld ausmachen, gehörten vielen Sulzburgern.
Jüdische Sulzburger waren im vergangenen Jahrhundert darunter. Äpfel, Birnen, Heu, Rebland, keine Gipsgruben. Die Felder haben vielen gehört, sie haben vieles gesehen. Würde es erzählt, so wären es wunderschön-grausige Markgräfler Landgeschichten. Von Freude, von Leid, von Liebe, von Ärger, von Kümmernis, eben von Menschen, die miteinander und nebeneinander leben mit all ihren Unterschiedlichkeiten, Befindlichkeiten und Eigenheiten.
So würden sie berichten, wie in diesem Jahrhundert der Rat der Stadt - im Jahr 1926 - in einstimmigem Votum entscheidet, einen in Sulzburg geborenen Juden mit einem Straßennamen zu ehren. Ein Straßename für einen jüdischen Wissenschaftler, dessen Lebensweg und persönliche Daten den Spannungsbogen zwischen Emanzipation und Assimilation im 19. Jahrhundert widerspiegeln.
Wir wissen nicht, ob sich jedes Ratsmitglied der Tragweite dieser Zeichensetzung bewusst war. Aber der Respektsbeweis wurde gemeinsam erbracht.
Zehn Jahre später werden Strassennamen, jüdische Frauen und Männer ehrend, ausgemerzt.
Zuvor sudelt ein zugangskundiger Amtmann auf ein Brustbild im Heldengedenkbuch der Stadt den Zusatz "Jude", wo zuvor auf der Seite die Auszeichnungen für die Teilnahme an den Vaterlandsschlachten des I. Weltkrieges standen.
An Respekt und Haltung fehlt es, als das Bezirksamt Staufen - zuständig unter anderm für Sulzburg - bereits in den frühen Januartagen 1933 beginnt, drei Ehrenurkunden für freiwillige Feuerwehrmänner aus Sulzburg zur Seite zu legen. Sie werden nicht ausgehändigt, weil die drei Auszuzeichnenden jüdische Feuermänner sind. Sie selbst erfahren von den geplanten und nicht vollzogenen Ehrungen nichts.
Kein Vermerk bei den drei Ehrenurkunden - nichts.
Daß der jüdische Zahnarzt Gustav Bloch, der in Sulzburg praktiziert, von seinem "arischen" Konkurenten Dr. Erley im Frühjahr 1933 beinahe totgeschlagen, des Ortes verwiesen wird, die Praxis kurz darauf von Erley übernommen wird: dies ist bekannt wie es die Hetztiraden im "Alemannen" gegen Bloch sind, die Erley verbreiten lässt.
Gustav Bloch flüchtet erst in die Schweiz, dann nach Paris. Als jüdischer Ausländer findet er sich im Sommer 1944 im Lager Drancy. Ausgeliefert an die Deutschen, wird er aus Frankreich nach Auschwitz deportiert. "Für tot erklärt" so das Gedenkbuch der Bundesarchivdirektion von 1986.